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Tafelspitz Wiener Art zubereiten – das klassische Kaiser-Rezept Schritt für Schritt

Der Wiener Tafelspitz, ehemals Leibspeise von Kaiser Franz Joseph und bis heute Aushängeschild der österreichischen Küche, wird traditionell NICHT gebraten, sondern langsam in einer kräftigen Rinderbrühe gekocht. Der Effekt: das Fleisch wird butterzart, der Sud zum aromatischen Festessen für sich. So gelingt der klassische Wiener Tafelspitz: Den Tafelspitz mit kaltem Wasser oder vorzugsweise mit einer kräftigen Rinderkraftbrühe ansetzen, dabei muss das Fleisch komplett bedeckt sein. Eine ganze Zwiebel (mit Schale, in einer trockenen Pfanne auf der Schnittseite angeröstet – das gibt der Brühe Farbe), Karotten, Sellerie, eine halbe Stange Lauch, Lorbeer, Pfefferkörner und Wacholderbeeren zugeben. Langsam zum Sieden bringen (NICHT stark kochen!) und in den ersten 30 Minuten den entstehenden Schaum regelmäßig abschöpfen, dann bei niedrigster Hitze gerade so simmern lassen, dass die Oberfläche kaum kräuselt. Garzeit: ca. 2,5 bis 3 Stunden für ein 1-kg-Stück, bis das Fleisch mit der Gabel leicht einstechbar ist. Die Kerntemperatur sollte am Ende bei 85 bis 90 °C liegen – ja, höher als beim Steak, denn beim Tafelspitz zerfällt das Bindegewebe erst bei dieser Temperatur zu Gelatine. Nach dem Garen 10 Minuten ruhen lassen, dann gegen die Faser in fingerdicke Scheiben tranchieren und mit etwas Brühe übergossen servieren. Klassische Beilagen: Apfelkren (geriebener Apfel mit Meerrettich), Schnittlauchsauce, Salzkartoffeln oder Kartoffel-Rösti, Rote Bete und Spinat. Wer es traditioneller mag, serviert ein Stück Markknochen aus der Brühe dazu.

Tafelspitz als Schmorbraten oder bei Niedertemperatur – Alternativen zum Klassiker

Wer den Tafelspitz lieber als rosa gegarten Sonntagsbraten möchte, kann ihn alternativ als Niedertemperatur-Braten zubereiten. Dafür den Tafelspitz mit dem Fettdeckel nach oben in einem Bräter scharf von allen Seiten anbraten, würzen, mit etwas Wurzelgemüse und einem Schuss Rinderbratensoße oder Rotwein ablöschen und im Backofen bei 80 bis 90 °C Umluft auf eine Kerntemperatur von 56 bis 58 °C ziehen (medium, rosa) – das dauert bei einem 1-kg-Stück ca. 3 bis 4 Stunden. Wer das Fleisch lieber durchgegart möchte, peilt 65 bis 68 °C an. Anschließend kurz im Ofen bei 220 °C oder in einer heißen Pfanne nachbräunen für die typische Kruste. Beim klassischen Schmorbraten dagegen wird der Tafelspitz bei 150 °C in geschmortem Wurzelgemüse und Brühe ca. 2,5 Stunden zugedeckt gegart, bis das Fleisch zerfällt – diese Variante eignet sich vor allem für die Gänze des Cuts mit Fettdeckel. Als Beilagen empfehlen wir Semmelknödel, Spätzle oder klassische Salzkartoffeln. Egal welche Methode: Vor dem Tranchieren immer mindestens 10 Minuten ruhen lassen, damit sich die Fleischsäfte verteilen.

Häufig gestellte Fragen zu Tafelspitz vom Rind

Tafelspitz ist die Spitze der Rinderhüfte am Schwanzansatz – ein länglicher, dreieckig zulaufender Cut mit charakteristischem Fettdeckel. Pro Rind gibt es nur EINEN Tafelspitz, was ihn zu einem hochwertigen, eher seltenen Cut macht.

Bekannt wurde der Tafelspitz vor allem durch die Wiener Küche, insbesondere als Leibspeise von Kaiser Franz Joseph, der ihn in seiner gekochten Variante mit Apfelkren regelmäßig im Hotel Sacher genoss. Charakteristisch sind die feine Faserung und das gleichmäßige Bindegewebe, die das Fleisch beim langsamen Garen besonders zart machen.

Die zwei klassischen Zubereitungen unterscheiden sich grundlegend:

  • Tafelspitz Wiener Art (gekocht): in kräftiger Rinderbrühe langsam gekocht (2,5 bis 3 Stunden bei knapp 90 °C Kerntemperatur), bis das Bindegewebe zu Gelatine zerfällt und das Fleisch butterzart wird. Serviert in Scheiben mit etwas Brühe übergossen, mit Apfelkren, Schnittlauchsauce, Salzkartoffeln und Spinat.
  • Tafelspitz-Schmorbraten: angebraten und im Bräter mit Wurzelgemüse und Brühe geschmort, oder bei Niedertemperatur (80 bis 90 °C) auf rosa Kerntemperatur (56 bis 58 °C) gezogen – Ergebnis: dunkler, fester Braten mit Kruste, ähnlich einem Roastbeef.

Beide Methoden funktionieren perfekt mit diesem 4 Wochen gereiften Tafelspitz.

Die Kerntemperatur hängt von der Zubereitungsart ab:

  • Wiener Art (gekocht): 85 bis 90 °C – höher als bei Steaks, weil bei dieser Temperatur das Bindegewebe zu Gelatine zerfällt und das Fleisch zart wird
  • Niedertemperatur-Braten, rosa: 56 bis 58 °C (medium rare)
  • Niedertemperatur-Braten, durchgegart: 65 bis 68 °C
  • Klassischer Schmorbraten: über 90 °C, das Fleisch soll zerfallen

Ein gutes Bratenthermometer ist unverzichtbar – nach Gefühl gelingt die Punktgenauigkeit selten.

Die Garzeit variiert deutlich je nach Methode:

  • Wiener Tafelspitz (gekocht): 2,5 bis 3 Stunden für 1 kg bei niedrigster Hitze, leicht simmernd
  • Niedertemperatur-Braten (80-90 °C): 3 bis 4 Stunden für 1 kg bis zur rosa Kerntemperatur
  • Schmorbraten (150 °C): ca. 2,5 Stunden für 1 kg, bis das Fleisch zerfällt

Größere Stücke brauchen entsprechend mehr Zeit – Faustregel: Pro 500 g zusätzlich ca. 1 bis 1,5 Stunden einplanen. Bei allen Methoden gilt: Nach dem Garen mindestens 10 Minuten ruhen lassen, damit sich die Fleischsäfte verteilen.

Klassische österreichische Beilagen für Wiener Tafelspitz:

  • Apfelkren (geriebener Apfel mit Meerrettich)
  • Schnittlauchsauce
  • Geschmälzte Kartoffeln oder Salzkartoffeln
  • Kartoffel-Rösti
  • Rote Bete
  • Spinat oder Rahmwirsing
  • Traditionell: ein Stück Markknochen aus der Brühe

Für den Tafelspitz-Schmorbraten: Semmelknödel, Spätzle, Blaukraut oder Rotkohl, Rosenkohl, kräftige Bratensauce oder Pfeffersauce.

Wein-Empfehlung: Spätburgunder zur Bratenversion, ein gehaltvoller Grüner Veltliner zur Wiener Variante.

Faustregel: 200 bis 250 g rohes Fleisch pro Person als Hauptgang mit Beilagen. Beim Garen verliert der Tafelspitz ca. 25 bis 30 Prozent an Gewicht, sodass 200 g rohes Fleisch ca. 140 g gegartes Fleisch ergeben.

  • 600 g: reicht für 2 bis 3 Personen
  • 1 kg: für 4 bis 5 Personen
  • 1,5 kg: für 6 bis 7 Personen
  • 2 kg: für 8 bis 10 Personen

Bei reichhaltigen Beilagen oder mehrgängigem Menü kann man etwas weniger pro Person rechnen. Für ein klassisches Wiener Sonntagsessen mit allen Beilagen sind 1,5 kg für 6 Personen eine perfekte Wahl.